Die Referenz in Literatur

 Amélie Nothomb

 

Reality-Show 2007

Reality-TV, auf die Spitze getrieben: Ein Sender inszeniert ein Konzentrationslager. Das Publikum darf mitspielen und jeden Tag zwei Gefangene per Fernbedienung zum Tod verurteilen.

 

Attentat 2006

Kann Intelligenz so betörend und verführerisch sein wie physische Schönheit? Epiphane möchte es seiner Angebeteten beweisen.

 

Böses Mädchen 2005

„Ich war sechzehn. Ich hatte nichts ... Keine Freunde, keine Liebe und noch nichts erlebt.“ Blanche studiert an der Uni Brüssel, fühlt sich als Mauerblümchen, ist mit 16 noch Jungfrau und himmelt die umschwärmte Christa an, mit der sie gerne befreundet wäre. Als sich die Freundschaft tatsächlich ergibt, zeigt Christa plötzlich ein ganz anderes Gesicht. Es ist zu spät, stellt Blanche verzweifelt fest: „Ich hatte verloren ... Es hatte mich nie gegeben.“

 

Kosmetik des Bösen 2004

"Ich heiße Texel. Textor Texel. Ich bin Holländer!"
Darauf hat der Geschäftsmann Jérôme Angust nur noch gewartet. Sein Flug hat Verspätung, ein langweiliger Aufenthalt in der Wartehalle steht bevor und nun dies.
Wie aus dem Nichts war der aufdringliche Fremde aufgetaucht und hatte Jérôme mit seiner Lebensgeschichte gequält. Ein Entkommen schien unmöglich.
Spätestens jedoch als Textor Texel fröhlich bekennt, als Achtjähriger einen beliebten Klassenkameraden durch heftiges Beten ins Jenseits befördert zu haben, spüren des Lesers Nackenhaare, dass diese harmlose Zusammenkunft eine absolut bösartige Wendung nehmen könnte.

 

Im Namen des Lexikons 2003

Plectrude ist von Beginn an, was ihr Name verspricht -- ganz und gar und in jeder Hinsicht extraordinär. Und wie von einer geheimen Macht durchs Leben geführt an den Fäden ihres Schicksals.
Am Ende, als es so aussieht, als habe sie mit dem Verzicht, nach dem Vorbild der Mutter den Vater ihres Kindes zu töten, den Bann dieses Schicksals gebrochen, begegnet sie einer Frau namens Amélie Nothomb, die ihr vor Augen führt, dass es ihr doch vorherbestimmt sein müsse, einen Mord zu begehen. Den begeht sie dann auch.

 

Metaphysik der Röhren 2002

"Am Anfang war das Nichts. Und das Nichts war weder leer noch unbestimmt; es verlangte nach nichts anderem als sich selbst. Und Gott sah, dass es gut war. Für nichts auf der Welt hätte er irgendetwas erschaffen.
Das Nichts genügte ihm nicht nur, es erfüllt ihn." Diese eigenwillige Auslegung der Schöpfungsgeschichte beschreibt zugleich den Lebensbeginn der Protagonistin in Amélie Nothombs neuem Roman Metaphysik der Röhren, der von den ersten drei Lebensjahren einer Tochter aus belgischer Diplomatenfamilie in Japan handelt.
Denn als Baby kam sie sich wie eine Röhre vor: innen hohl, unbeweglich, wunschlos und auf rein vegetative Vorgänge reduziert -- und trotzdem aufmerksam ihre Umgebung betrachtend mit einem schonungslos analytischen, beizeiten entlarvenden Blick.

 

Quecksilber 2001

Eine einsame Insel, die niemand betreten und niemand verlassen darf.
Ein Haus ohne Spiegel und Spiegelflächen, in dem die Fenster so hoch angebracht sind, dass es unmöglich ist hinauszusehen. Ein alter, unheimlicher Mann, der sich die schönsten, jungen Mädchen gefangenhält, um sie so zu lieben, wie sie niemand liebt, wobei er sie mit einem grausamen Trick zu halten versteht.
Und eine Krankenschwester, die in dieses Mysterium eindringt und alle schwarzen Geheimnisse ans schmerzende Licht der Wahrheit bringt. Das ist wieder Stoff einer Autorin wie Amelie Nothomb, die es mit Intellekt, Fantasie und äußerster Sensibilität versteht, ein psychologisch fein gesponnenes, fesselndes und anspruchsvolles Meisterwerk zu schaffen.

 

Mit Staunen und Zittern 2000

Die japanische Ökonomie, auch wenn sie derzeit kriselt, hat die Welt das Fürchten gelehrt. Autos, Computer, Unterhaltungselektronik: In diesen Branchen war – oder ist – keiner preisleistungsstärker. Die japanischen Unternehmen stellt man sich daher als ein Wunder an Organisation, Rationalität und Effizienz vor. Wer das Buch der belgischen Diplomatentochter Amélie Nothomb liest, bekommt einen ganz anderen Eindruck.
Amélie – auch die Ich-Erzählerin trägt diesen Namen – wird auf Grund ihrer Sprachkenntnisse mit einem Einjahresvertrag bei Yumimoto eingestellt, «einer der grössten Firmen des Universums», und der Abteilung Import-Export zugewiesen, die im 44. Stock residiert. Die wunderbare Aussicht von dort wird schnell von dem Impuls abgelöst, sich hinunterzustürzen. Denn was Amélie in zwölf Monaten durchmacht, ist ein Martyrium. Die hoch qualifizierte Mitarbeiterin aus dem westlichen Ausland wird vor allem zum Kaffeeholen und Fotokopieren eingesetzt.

 

Der Professor 1997

"Amelie Nothomb hat in Emile Hazel einen Nachkommen von Heinrich Manns Professor Unrat geschaffen.
Amelie Nothomb ist noch nicht dreißigjährig und verfügt doch schon über mehr als die Bildung und den Stil, die eine lebenslange Schulung voraussetzen: über die Skepsis des Alters, die sie beides, hohe Bildung und glänzenden Stil, mit der gebotenen Respektlosigkeit in Szene setzen läßt."

 

Liebessabotage 1995

Wie schon ihr erstes Buch brillant formuliert, und man fragt sich, woher dieses erst 27 Jahre alte Genie so viel Weisheit, so viel Reife, so viel Sprachstil nimmt.
Liebessabotage ist gleichermaßen humorvoll wie auch grausam. Ein mehr als würdiger Nachfolgeroman.

 

Die Reinheit des Mörders 1994

Pretextat Tach, dreiundachtzigjährig und Nobelpreisträger für Literatur, hat laut Aussage der Ärzte nur noch zwei Monate zu leben. Als dies bekannt wird, bemühen sich Medienleute aus der ganzen Welt um ein Interview. Fünf Journalisten dürfen bei ihm vorsprechen - und kommen selbst in arge Bedrängnis.
Doch dann kommt eine, die dem alten Zyniker gewachsen ist."Ein geistreiches Streitgespräch. Daß es aber unter dieser Oberfläche brillanter Rhetorik um existentielle Fragen geht, um die mit harten Bandagen gekämpft wird, das macht den besonderen Reiz dieses Romans aus.